Umsatzsteuer bei Versandkosten und Verpackung - Was ist zu unterscheiden?

30.04.2016, Kategorien: Info

 

Für unterschiedliche Produkte erhebt der Gesetzgeber verschiedene Umsatzsteuersätze die entsprechend bei jedem Produkt ausgewiesen werden. So weit, so bekannt. Dass jedoch nicht nur diese Differenzierung bei der Steuer beachtet und deklariert werden muss, sondern auch bei den Kosten für Verpackung und Versand nicht vergessen werden darf, schafft im ohnehin schon weitreichenden Steuerdickicht eine zusätzliche  Schwierigkeit, nicht zuletzt bei der Frage, in welcher Höhe bzw. anhand welcher Umsatzsteuergruppe ein Versand per Paket besteuert und somit ausgewiesen wird.

Grundsätzlich muss man sich dabei an § 12 UStG ausrichten. Des Weiteren ist die Preisangabenverordnung (PAngV), die Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung und die Steuerdaten-Übermittlungsverordnung bei der Besteuerung von Versand und Verpackung einer oder mehrerer Waren von Bedeutung. Insbesondere für Online-Händler stellt dies eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit bei der korrekten Preisdeklarierung dar.

Umsatzsteuer ist nicht gleich Mehrwertsteuer

Wenngleich zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer nach landläufiger Meinung kein Unterschied besteht – was im Grundsatz auch zutrifft – so sind dennoch aus betriebswirtschaftlicher und steuerrechtlicher Perspektive die beiden nicht miteinander gleichzusetzen. Die Umsatzsteuer wird dann erhoben, wenn Dienstleistungen oder Waren verkauft werden und ist prozentual in Abhängigkeit vom getätigten Umsatz gestaffelt, zudem kann sie als Vorsteuer beim Finanzamt von Unternehmen gelten gemacht werden, wenn diese selber Waren oder Dienstleistungen gekauft haben.

Die Umsatzsteuer selber bezieht sich auf alle Leistungen, die erbracht werden, damit der Kunde die Ware erhält, dazu zählen im Versandhandel selbstredend Verpackung und Portokosten. Dabei ist es wichtig zu erinnern, dass ein weit verbreiteter Irrtum in Bezug auf die Umsatzbesteuerung von Portokosten  besteht: Diese sind nämlich nicht frei von der Umsatzsteuer! Die dahingehend bestehende Ausnahme gilt ausdrücklich nur für Unternehmen der deutschen Post, alle anderen Unternehmen müssen auch in Hinsicht auf die Portokosten die Umsatzsteuer ausweisen!

Welche Bereiche fallen konkret unter Versandkosten?

Unter den Rechnungsposten des Versandes sind eine Reihe von einzelnen Kostenpunkten einzukalkulieren und daher in den Sammelbegriff „Versandkosten“ zusammengefasst. Dazu gehören: das Verpackungsmaterial, die Portokosten, benötigte Personalkosten, Versicherungen, Kosten für die Zahlungsabwicklung, die Einhaltung der Verpackungsverordnung sowie sonstige Berechnungsposten.

Unterschiedliche Besteuerung abhängig von Waren und Material

Grundsätzlich ist die Erhebung der Umsatzsteuer an die zu versendete Ware gekoppelt, doch eine Unterscheidung zwischen 7 und 19% Umsatzsteuer ist nur auf den ersten Blick zielführend. Werden nämlich beispielsweise mit einem Versand zwei unterschiedlich umsatzbesteuerte Produkte geordert, so richtet sich die Besteuerung des Versandes nach der prozentualen Höhe des jeweiligen Warenwertes. Ist mithin in einem Paket ein Buch mit 7% USt und eine DVD mit 19% USt enthalten und machen diese einen Anteil des Gesamtpreises von 70% und 30% aus, so müssen diese auch dahingehend mit der Umsatzsteuer belegt werden. Im Beispiel fallen also auf 70% des Preises 7% Umsatzsteuer und auf die verbleibenden 30% eine Umsatzsteuer von 19% an.

Einheitliche Versandkosten zur Vereinfachung sind erlaubt

Um für die eigene Logistik und auch für den Kunden nicht komplett den Überblick zu verlieren ist es jedoch gestattet, unterschiedliche Pauschalen für den Versand aufzustellen, bei denen die jeweiligen Umsatzsteuersätze bereits im Preis für den Versand mit inbegriffen sind. Diese Pauschalen für den Versand fallen ebenfalls unter die genannten Versandkosten und werden somit auch entsprechend besteuert.

Steuersätze im EU-Ausland und anderen Ländern

Die Mehrwertsteuerregelung betrifft de facto die Versendung und die Waren für den Versand innerhalb Deutschlands. Für andere Länder gelten folgende Regelungen und Unterscheidungen:

-         beim Warenverkauf an andere Unternehmen im EU-Ausland berechnet das deutsche Unternehmen weder auf die Ware, noch auf die Verpackung eine Umsatzsteuer – vorausgesetzt, die ausländische Firma hat eine gültige MwSt.-Identifikationsnummer!

-         wird an Verbraucher innerhalb der EU versandt, gilt die normale Mehrwertsteuer

-         bei Ländern außerhalb der EU fällt keine Umsatzsteuer an!


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