Onlineshop mehrsprachig betreiben - Was ist zu beachten?

28.02.2016, Kategorien: Rechtliches


Onlineshop für mehrere Sprachen vorbereiten

Viele unserer Kunden betreiben einen Onlineshop oder Ebay Shop in Deutschland und verschicken Waren an Verbraucher über die deutsche Landesgrenze hinaus. Dabei entsteht der Wunsch die Rechtstexte und Produktinformationen in mehreren Sprachen, zum Beispiel in Englisch, zur Verfügung zustellen. Der dahintersteckende Grundgedanke ist klar: Mehr Sprachen, gleich mehr Kunden, gleich mehr Umsatz. Ob dies jedoch rechtlich so einfach umsetzbar ist haben unsere Rechtsexperten für Sie einmal erläutert.

Verkauf über die Landesgrenzen - Onlineshop in deutscher Sprache

Grundsätzlich schreibt das Gesetz vor, dass der Händler den Käufer „klar und verständlich" über die erforderlichen Angaben (z.B. AGB und Informationspflichten) informieren muss (§ 312c BGB in Verbindung mit Artikel 246 EGBGB). Ist der Onlineshop ausschließlich in deutscher Sprache abrufbar so ist der Händler seinen gesetzlichen Pflichten ausreichend nachgekommen und ein Problem stellt sich für den Händler nicht. Kauft also beispielsweise ein ausländischer Kunde im deutschsprachigen Onlineshop ein, ohne jedoch die deutsche Sprache zu beherrschen, dann muss er dies gegen sich gelten lassen: Die Vertragssprache ist in diesem Fall Deutsch und der Shopbetreiber hat folglich richtig belehrt. Die rechtlichen Anforderungen sind in diesem Beispiel erfüllt.

Verkauf über die Landesgrenzen - Onlineshop in deutscher und englischer Sprache

Bietet nun ein Shopbetreiber beim Verkauf über die Landesgrenzen neben der deutschen Sprache auch die englische Sprache an, so hat dies erhebliche, rechtliche Konsequenzen für den deutschen Shopbetreiber. Denn ist der Shop grundsätzlich auch in einer anderen Sprache abrufbar so müssen die Pflichtinformationen (z.B. AGB und Informationspflichten) auch in dieser Sprache erfolgen. Bei einem Onlineshop in Deutsch und Englisch braucht der Shopbetreiber also auch zweisprachige AGB. Doch damit nicht genug! Wenn der Händler an Verbraucher im europäischen Ausland verkauft muss er auch die Verbrauchergesetze des jeweiligen Landes beachten - eine Anwendung des deutschen Rechts ist folglich nicht uneingeschränkt möglich. So ist beispielsweise die deutsche Widerrufsbelehrung in anderen EU-Ländern nicht uneingeschränkt anwendbar. Die rechtlichen Anforderungen, eine rein nach deutschem Gesetz verfasste Widerrufsbelehrung vorausgesetzt, wären in diesem Beispiel nicht erfüllt.

Fazit - Mehrsprachiger Verkauf ins Ausland ist mit erheblichen Aufwand verbunden

Zusammenfassend kann man festhalten, dass der Verkauf an Verbraucher ins Ausland mit erheblichen rechtlichen Aufwand verbunden ist. Mit der reinen Übersetzung der Textinhalte in eine oder mehrere Fremdsprachen ist es leider nicht getan. Viel mehr sollte der Shopbetreiber sicher gehen, dass er seine Informationspflichten und Vertragsgrundlagen in der Sprache vorliegen hat, in der auch der Onlineshop bzw. Ebay Shop abrufbar ist. Zudem müssen die Verbrauchergesetze der einzelnen Länder beachtet werden, sodass jeder Shopbetreiber vorher Aufwand und Nutzen ganz genau gegenüberstellen sollte. Sollten Sie Fragen zu dieser Thematik haben können Sie gern jederzeit auf uns zukommen. Das Team von Geprüfter Webshop freut sich auf Sie.


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