Textilkennzeichnungsgesetz im Onlinehandel

20.11.2013, Kategorien: Rechtliches


Immer wieder erreichen uns Anfragen von Onlineshops, die eine Abmahnung wegen Missachtung des Textilkennzeichnungsgesetzes erhalten haben. Gütesiegelanbieter Geprüfter Webshop greift dieses Thema auf und informiert Shopbetreiber über Inhalte und natürlich darüber,  was es zu beachten gilt.

Was beinhaltet das Textilkennzeichnungsgesetz?

Das Textilkennzeichnungsgesetz (TextilKennzG) verpflichtet die Anbieter von Textilerzeugnissen (auch Onlineanbieter) zur Angabe der im Produkt enthaltenen Materialien. Die Verpflichtung zur Angabe gilt für alle Artikel, die zu mindestens 80% ihres Gewichtes aus textilen Rohstoffen hergestellt sind. § 5 TextilKennzG schreibt vor, dass die Angabe im Prozentsatz des Nettotextilgewichtes zu erfolgen hat, bei Textilerzeugnissen aus mehreren Fasern in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Sollte die Textile nur aus einem Stoff bestehen, so hat die Angabe in 100% zu erfolgen. Es gibt auch Ausnahmen für die Anwendung des TextilKennzG.

Beispiele zum besseren Verständnis:

Vertreibt ein Internet-Händler Sonnenschirme, so ist nicht ausschlaggebend, ob die Artikel aus 80 % textilen Rohstoffen bestehen. Wesentlich ist lediglich der Bezugsstoff des Sonnenschirms und ob dieser zu 4/5 aus textilen Rohstoffen gefertigt wurde.

Bei Matratzen ist die Angelegenheit schon etwas kniffliger: Es sind nämlich alle Teile einer Matratze zu kennzeichnen, die aus mindestens 80 % Rohstoff-Textilien gefertigt wurden. Allein den Bezugsstoff anzugeben, reicht hierbei also nicht aus: Denn auch der Matratzen-Kern oder andere Bestandteile können unter diese Regelung fallen.

Ähnlich komplex verhält es sich mit Futterstoffen in Schuhen und Handschuhen. Alle Futterstoffe, die der Wärmebehandlung dienen, fallen unter das Textilkennzeichnungsgesetz. Es stellt sich nur die Frage, wann ein Futterstoff definitionsgemäß über eine Warmhalte-Funktion verfügt. Die Schuhindustrie gibt vor: Futtermaterialien mit einer Florhöhe über 4 mm fungieren als Wärmeisolator und sind vom TextilKennzG betroffen.

Was sind textile Rohstoffe?

Bloße oder bearbeitete textile Rohstoffe sind natürlich von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Aus dem einfachen Grund, weil sie keine Textilerzeugnisse darstellen. Doch was ist eigentlich unter dem Begriff „textile Rohstoffe“ genau zu verstehen? Textile Rohstoffe sind vor allem Fasern und Haare, die sich verflechten oder zu Flächentextilen verfertigen lassen. Doch auch elastische Bänder und flexible Schläuche, die eine maximale Normalbreite von 5 mm aufweisen und aus Materialien wie zum Beispiel „Acetat, „Cupro“, „Modal“, „Polyamid“ oder „Nylon“ fabriziert werden, um nur einige von vielen zu nennen, sind als Rohstoff-Textilien definiert.

Was haben Online-Shopbetreiber zu beachten?

Die Verpflichtung zur Rohstoffgehaltsangabe ist laut der europäischen Textilkennzeichnungsverordnung von 2012 Art. 16 auch im Online-Handel erforderlich. Dort ist ausdrücklich festgeschrieben, dass eine Beschreibung der Textilfaser-Zusammensetzung vor dem Kauf deutlich erkennbar sein muss, selbst beim elektronischen Geschäftsverkehr. Fehlt es an diesen Angaben oder handelt es sich um falsche und ungenügende Hinweise, können Abmahnungen die Folge sein.

Darüber hinaus müssen gemäß § 1 Abs. 2 und § 9  TextilKennzG. die Rohstoffgehaltsangaben nicht nur leicht lesbar, sondern auch mit einem einheitlichen Schriftbild dargestellt werden. Dabei reicht es aber nicht, die Informationen einfach auf eine Produkt-Detailseite oder eine Unterseite zu platzieren, wenn diese vor dem Einlegen in den virtuellen Warenkorb nicht angezeigt wird. Viel mehr haben Online-Shops sicherzustellen, dass der Kunde die benötigten Daten und Informationen noch vor der Kaufentscheidung einsehen kann.

Textikennzeichnungsgesetz im Onlinehandel rechtssicher umsetzen

Shopbetreiber, bei denen das Textilkennzeichnungsgesetz Anwendung findet, sollten sich bei Ihren Lieferanten nach den entsprechenden Materialien ihrer Ware erkundigen und diese online zur Einsicht zur Verfügung stellen. Wie eine solche Angabe rechtlich sauber aussehen kann, zeigen wir Ihnen in der nachstehenden Musterangabe.

Musterangabe 1:

Badeanzug 24,90 Euro inkl. 19% MwSt. zzgl. Versandkosten.

Produktbeschreibung:

Materialen:

70% Nylon

20% Polyester

10% Spandex

Musterangabe 2:

Badeanzug 24,90 Euro inkl. 19% MwSt. zzgl. Versandkosten.

Produktbeschreibung:

Materialen:

100 % Baumwolle

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Sie sind sich unsicher, ob die Angaben in Ihrem Online-Shop den gängigen Gesetzesregelungen entsprechen? Kein Problem! Nehmen Sie doch einfach Kontakt mit uns auf, wir helfen Ihnen gerne weiter.


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