Button Lösung: "Kaufen" am wirkungsvollsten

20.09.2012, Kategorien: Rechtliches


Die Button-Lösung wurde bereits im März dieses Jahres verabschiedet, trat aber erst zum 1. August 2012 in Kraft. Konkret soll das Gesetz den Verbraucher vor Abofallen im Internet schützen. Aufgrund dieser Neuregelung waren alle Onlineshop-Betreiber dazu angehalten, die Bestell-Seiten umzuprogrammieren und den Bestellbutton mit eindeutigen Formulierungen zu versehen. Wer sich nicht an das Gesetz hält, muss mit Abmahnungen rechnen und kann keine gültigen Verträge mehr abschließen. 

Wie sehen die Änderungen aus?

Das Button-Gesetz sieht vor, dass jeder Internet-Shop auf seiner Bestell-Übersichtsseite die folgenden Infos klar und hervorgehoben darstellt. Das sind 

- die wesentlichen Merkmale einer Ware oder Dienstleistung

- der Gesamtpreis

- die zusätzlich anfallenden Kosten

- die Mindestlaufzeit des Kaufvertrages 

Wichtig ist dabei, diese Informationen in räumlicher als auch zeitlicher Hinsicht unmittelbar vor dem Bestellbutton anzuzeigen. Unmittelbar bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zwischen Info und Button keine trennenden Gestaltungselemente bzw. Texte vorkommen dürfen. 

Die Umbenennung des Bestell-Buttons

Weiterhin muss auch der Button an sich umbenannt werden, mit dem der Kunde den Kaufvertrag per Klick abschließt. Der Gesetzgeber nennt in § 312g Abs. 3 Satz 2 BGB eine explizite Möglichkeit der Beschriftung, nämlich „zahlungspflichtig bestellen“. Der Online-Händler kann seine Schaltfläche aber auch alternativ benennen. Hauptsache ist, der Verbraucher ist sich über die finanzielle Verpflichtung im Klaren, die er mit seiner Bestellung eingeht. 

In der Gesetzesbegründung finden sich einige Alternativ-Vorschläge für die Button-Beschriftung: „Kostenpflichtig bestellen“, „zahlungspflichtigen Vertrag abschließen“ und „kaufen“. 

Unzulässig und irreführend werden hingegen folgende Formulierungen eingestuft: „Anmeldung“, „Weiter“, „Bestellen“ und „Bestellung abgeben“.

Button-Lösung: "kaufen" wirksamer als "zahlungspflichtig bestellen"

Pflichten sind keine schöne Sache, sondern lästig und unbeliebt. Und die Aufforderung zu zahlen macht die Sache noch unattraktiver. Kunden möchten darum nicht "zahlungspflichtig bestellen", wie ein A/B-Testing von Explido herausgefunden hat. 

Für die Shops von Margarete Steiff und Conrad Electronic wurden die drei im Rahmen der Buttonregelung zugelassenen Beschriftungen für den Bestellbutton getestet. Und dabei kam heraus, dass die Beschriftung "zahlungspflichtig bestellen" am meisten Bestellabbrüche verursachte, die Wortwahl "kaufen" die wenigsten. Allerdings gilt auch hier, dass die Shop-Zielgruppe ausschlaggebend ist. 

So war es im Conrad-Shop den Kunden mehr oder minder egal, ob der Button "kaufen" oder "kostenpflichtig bestellen" lautete, bei Margarete Steiff aber lag der "Kaufen-Button" deutlich vorn, wie die internetworld beschreibt, und war folglich am wirkungsvollsten. 

Welche Schwierigkeiten ergeben sich noch für Shop-Betreiber?

In der Praxis schafft aber nicht nur die Beschriftung des Bestellbuttons Probleme, auch die anderen Regelungen im Rahmen der Button-Lösung können Schwierigkeiten mit sich bringen.  

So rätseln viele Online-Verkäufer darüber, welche Merkmale einer Ware oder Dienstleistung denn nun als wesentlich angesehen werden und welche nicht? Eine konkrete Definition gibt es hierzu leider nicht und lässt sich auch nicht pauschal festlegen. Zum Beispiel stellt sich die Frage, ob bei einer Glühbirne die Energie-Effizienzklasse und Nennlebensdauer zur Kennzeichnungspflicht gehören? Gelten auch Testergebnisse als wesentliches Merkmal? Was ist mit der Textilkennzeichnung bei Textilien? Auf keinen Fall sollten Händler alle Produktmerkmale aufführen, da dies zur mangelnder Transparenz und technischen Problemen führt. Der Händler ist also mit der Aufgabe konfrontiert, sich selbst in die rolle des Kunden zu versetzen und die wesentlichen Merkmale des Artikels selbst herauszufiltern. 

Auch was den engen räumlichen Zusammenhang zwischen Bestellbutton und relevanten Informationen betrifft, ergeben sich einige Fragen. Denn abgesehen von der technischen Umsetzung, ist diese Vorschrift auch praktisch nicht so einfach zu realisieren. Der Gesetzgeber zielt mit der genannten Klausel darauf ab, dass Verbraucher alle wesentlichen Daten zur Bestellung auf einen Blick einsehen können. Wie aber verhält es sich mit komplexen Bestellungen, das sind Käufe von mehreren unterschiedlichen Artikeln oder von Artikeln mit einer großen Anzahl an wesentlichen Merkmalen? Der enorme Informationsgehalt, der sich bei komplexen Bestellungen ergibt, ist Above-the-fold (Falz) nicht mehr darstellbar, so dass der Verbraucher scrollen muss. Im Rahmen der Button-Lösung fragt sich jedoch, ob dabei nicht die Forderung nach einem engen räumlichen Zusammenhang verletzt wird, wenn der Verbraucher scrollen muss. Tatsächlich hatte der Gesetzgeber zunächst auf ein Scrollverbot bestanden, dieses aber schnell wieder aufgehoben. 

Sie haben Fragen zur Umsetzung der Button-Lösung? Wir beraten Sie gerne unter der Telefonnummer 02645/608516. Alternativ können Sie uns auch per E-Mail unter Kontakt@gepruefter-webshop.de kontaktieren. 


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